Religion und Traditionen

Markttag7% der madagassischen Bevölkerung – vor allem im Norden und Westen des Landes – gehören dem Islam an; 41% der Bevölkerung sind Christen (23% römisch-katholisch, 18% Protestanten); 52% der Madagassen leben nach indigenen Glauben bzw. Traditionen. Auch Moslems und Christen halten sich im täglichen Leben an die madagassischen Traditionen, leben zudem aber nach den Regeln ihrer eigenen Religion. Auf Madagaskar lebt die Bevölkerung noch eng mit ihren Traditionen an Glaube und Aberglaube, Ahnenkult und Verbot sowie dem Glauben an Geister, Zauber, Medizinmänner und Orakeln. Gottesdienste und Gedenkfeiern werden meist unter freiem Himmel an heiligen Orten in der Natur abgehalten. Ein Madagasse glaubt – unabhängig welcher Religion er angehört – an die Unsterblichkeit des menschlichen Geistes und der Seele. Der Glaube an Geister, die in den Ahnen, Pflanzen oder Tieren weiterleben ist somit auf der ganzen Insel verbreitet. Auch der Geist der Lemuren ist gefürchtet und somit das Töten von Lemuren bei vielen Volksstämmen verboten. Dennoch findet man bei manchen Stämmen hin und wieder Lemuren im Kochtopf. Eines der wichtigsten religiösen Brauches ist die „Famadihana“ oder „Fitampoha“ (die Umbettung der Toten). Hier werden nach Jahren die Überbleibsel der Toten aus ihren Gräbern geholt, in frische Leinentücher gewickelt, und durch das ganze Dorf getragen; die Angehörigen und Freunde begleiten dies mit Musik und Tanz. Dieses Fest zieht sich meist über mehrere Tage hin, damit alle Familienangehörigen Zeit haben, dem Ahnen ihre Sorgen und Nöte anzuvertrauen und um Abhilfe zu bitten.

Fady – ein Netz aus Geboten und Verboten

Verkäuferin auf einem der MärkteIn den meisten Stämmen bestimmt das sog Fady (ein Netz aus Geboten und Verboten) das soziale Leben der Familie oder des Stammes. Nur die Dorfältesten dürfen Fadys einführen oder alte aufheben. Die Fadys regeln somit das Leben in der Gemeinschaft eines Volksstammes und leisten zusätzlich, meist sekundär einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Tierschutz. Je nach Region und Kultur wird man auf unterschiedliche Fadys treffen; so findet man in einigen Gegenden der Insel z.B. das Verbot, Pelz und Leder zu tragen. In anderen Gegenden wiederum bringt das Spielen mit Tieren Unglück. In den meisten Stämmen gibt es Vorschriften, welche Tierarten nicht verzehrt werden dürfen, da diese die Seele der Ahnen tragen. Besonders Schlangen und Krokodilen wird in vielen Teilen der Insel nachgesagt, dass sie Wiedergeburten der Ahnen sind. Drum werden die Tiere gefüttert, verehrt und ihr Lebensraum geschützt. Als Besucher Madagaskars sollte man sich bewusst machen, dass es Fadys gibt, nach welchen sich auch Touristen zu richten haben. Besonders bei Besuchen von Grabstätten und heiligen Plätzen ist es ratsam, sich von Einheimischen begleiten zu lassen, die die entsprechenden Fady genau kennen.
Medizinmänner sind auf Madagaskar hoch angesehen und heilen nicht nur durch Verabreichung von Kräutern und Heilpflanzen, sondern binden auch Ahnen für den Heilungsprozess mit ein. Eine andere sehr hoch angesehene Person im Dorf ist der Mpanandro, der auch als Astrologe angesehen wird. Durch seine Kenntnis des Systems der Vintana (eine Art Mondkalender, bei dem jede Stunde und jeder Wochentag eine bestimmte Qualität hat) bestimmt er die Tage für besondere Ereignisse wie z.B. Hausbau, Heirat, Famadihana. Eine andere sehr bedeutende Tradition der Madagassen ist die Beschneidung der Jungen, die von allen Stämmen Madagaskars fabriziert wird. Je nach Gegend und Volksstamm finden alle 3 Jahre bzw. alle 7 Jahre Massenbeschneidungen als Zeremonien statt. Hierbei werden alle Jungen zwischen zwei und neun Jahren beschnitten. Diese Zeremonien bezeichnet man als „Sambatra“, die mit einem großen Familienfest gefeiert werden. Im Hochland werden Jungen heute meist gleich nach ihrer Geburt im Krankenhaus beschnitten.